blattundsatt

Alles im grünen Bereich!


Frisch und fermentiert

Meine Mutter ist auf den Fildern bei Stuttgart aufgewachsen (Filderkraut) und eine meiner Kindheitserinnerungen sind die braunen Sauerkrautfässer im Kartoffelkeller, die jedes Jahr im Spätherbst gefüllt wurden.

Bunte Vielfalt

Bunte Vielfalt

Wenn die Spitzkohlköpfe von den Fildern zu uns ins Remstal kamen, dann waren alle Hände und Füße in Bewegung: Das große Fass auswaschen, die größten Wannen herbeischaffen, mit dem Krautstecher die Strünke entfernen, und dann wurde abwechselnd gehobelt. War die Wanne voll, dann wurde Salz darüber gestreut und mit den Händen vermengt. Gut durchziehen musste das Kraut, bevor es Schicht um Schicht ins Fass kam, wo es eingestampft wurde. An den Krautstampfer kann ich mir erinnern und auch daran, dass wir mit den Füßen im Fass stampfen durften bis das Kraut ganz saftig war. Wacholderbeeren waren auch noch drin. Zum Schluss wurde die dreigeteilte schwere Holzscheibe aufgelegt, so dass der Fermentierungsvorgang unter Ausschluss von Sauerstoff seinen Weg gehen konnte. Auch ich habe in den vergangenen Jahren das Fermentieren wieder neu entdeckt und esse gerne milchsauere Gemüse in allen Farben.

Auf dem Foto von li nach re: Weißkohl mit Kümmel, Spitzkraut mit Möhren, Weißkohl mit Ananas und Kurkuma (sehr lecker), Ur-Möhre „Purple Haze“, Rotkohl mit Apfel und frischem Meerrettich, Schwarzkohl mit Knoblauch.                                                                                                          Mein Buchtipp: Frisch und fermentiert von Julie O´Brian und Richard J. Climenhage, ISBN 978-3-944125-66-4


Von Sprossen und Sprösslingen

Interessant, welche Gedanken zu mir kommen, wenn ich „lausche“: Da las ich auf der der deutschen Seite des Hippokrates Institutes über Sprossen, die ein mannigfaches an Vitalstoffen wie Mineralien, Vitamine, Enzyme und Phytonährstoffe haben. Und beim Weiterlesen stand auch, dass Sprossen wie die kleinen Kinder auch Energiebündel sind. Und plopp, da war´s, das Wort „Sprösslinge“, und ich schmunzelte.

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Ja, „das, was die Sprossen wirklich so besonders wertvoll macht, ist die Energie, die jeder Sprosse inne wohnt und die wir Lebenskraft nennen. Es ist das Wunder, was Sonne, Erde und Wasser vollbringen, wenn sie sich mit einem ruhenden Samen verbinden und es in eine kräftige und lebenssprühende Sprosse verwandeln. (…) Sprossen sind den ausgewachsenen Pflanzen weit überlegen, denn sie beinhalten noch all die Kraft, die die Pflanze für ihr Wachstum braucht. Auch den inaktiven Keimen sind sie überlegen, denn die Sprosse beinhaltet 6 x mehr Energie als ein ruhender Same.“ https://hippocratesinst.de/rohkost-produkte/sprossen-keime/sonnennahrung-keimling/

Jetzt, da die Natur sich im November in die Ruhezeit zurückzieht und die Auswahl an Wildpflanzen geringer ist, genieße ich die Sprossenvielfalt: Rotkohlsprossen und Alfalfa stehen zur Zeit bei mir in der Küche und bereichern meine täglich wechselnden frischen grünen Säfte und die Salatteller. Brokkolisamen, Buchweizen, Linsen, Sonnenblumen- und Kürbiskerne und viele mehr. Es gibt eine Vielfalt an Geschmackserlebnissen!

Und es ist immer eine Freude, den Prozess des Keimens bei der täglichen Pflege zu betrachten.

Mein Buchtipp zum Thema: Angelika Fürstler: Sprossen & Milkrogrünsprossen-mikrogreens


Chlorophyll und Säuren

„Grassaft sollte nicht mit säurehaltigen Säften verdünnt werden, da die Säure das Chlorophyll zerstört.“ Angestossen von dieser Information aus dem Beiblatt zu den Grassieben von der Firma Eschenfelder bin ich neugierig geworden. http://www.eschenfelder.de  Ist das wirklich so? Und warum ist dann auf den Fotos zu grünen Säften auch oft ein Zitronenschnitz auf dem Foto zu sehen? Also ging ich auf „Spurensuche“, befragte Menschen: Zuerst meldete sich Monika Blanz von Eschenfelder. Das war ein super Telefonat, ein Teilen und Mehren, ein Tauschen von Wissen und Visionen, ein „Netze spinnen“. DANKE. Sie leitete mich weiter an Reiner O. Schmid, aus dessen Buch „Weizengrassaft – Medizin für ein neues Zeitalter“ sie diese  Information übernommen hatte. Von seinem Sohn, Dr. Markus Schmid, bekam ich den Hinweis, dass vielen Menschen die grasgrünen Säfte anfangs zu herb schmecken und deshalb ein kleines Stück Zitrone für den Geschmack beigefügt wird.

Die Antwort befriedigte meine Neugier nicht. Gut, dann schau ich mal genauer hin, was mit dem Grün geschieht, wenn ich ein Blatt in Zitronensaft lege. Hier das Ergebnis:

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Grüner Saft aus Möhrenkraut

Die gefiederten Blätter der Gartenmöhre, welche die meisten Menschen in den Kompost werfen oder den Hasen oder Hühnern geben, gibt´s auf dem Markt bei meinen Bioland-oder Demeterbauern umsonst. Ja, wer weiß denn schon, dass im Kraut, in den oberirdischen Teilen der Pflanze, ebenso wertvolle Nährstoffe enthalten sind. Und oft sogar noch mehr als in den „Früchten“. Wissen das die Tiere? Schau mal zu, was Hasen machen, wenn du ihnen Karotte und Karottengrün anbietest.

Diese Inhaltsstoffe sind in der uns vertrauten rohen Wurzel: Provitamin A (Carotin), Vitamin B1, B2 und C, Flavonoide und  ätherisches Öl. Wenn also in einem Samen bereits alles enthalten ist, was diese Pflanze „ausmacht“, dann müsste doch auch in den Blättern, im Blattgrün, das alles gespeichert sein, oder? Und gar noch mehr: Mit dem Sonnenlicht, das im oberirdischen Teil der Pflanze mitwirkt, ist im Karottengrün z.B. bis zu 6 mal so viel Kalzium wie in der orangenen Wurzel. Oha, Hasen, Meerschweinchen und Hühner aufgepasst: Ab jetzt wird das Grün geteilt!

Für Fortgeschrittene: Karottengrün mit Staudensellerie

Für Fortgeschrittene: Karottengrün mit Staudensellerie


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Satt-grüner Saft aus Vogelmiere

IMG_2411Blattsaft – mein morgendliches Doping

Seit dem letzten Sommer besitze ich einen Hand-Entsafter (Z-Star von Keimling) für Gräser und Wildkräuter. Ich hatte schon einige Jahre zuvor die Wildkräuter in meine tägliche Ernährung einbezogen, doch dann war die Entdeckung des Entsaftens von Blattgrün nochmals eine Steigerung. Der kostbare Blattsaft ist mein täglicher Start in den Tag. Vogelmiere wächst das ganze Jahr und ist mild, ein prima Einsteiger-Zaubertrank!

Zum Bestimmen und Kennenlernen der Heilwirkungen der Wildpflanzen leistet mir in den vergangenen Jahren das Taschenbuch „Essbare Wildpflanzen – 200 Arten bestimmen und verwenden“ von Steffen Guido Fleischhauer, Jürgen Guthmann und Roland Spiegelberger, erschienen im AT Verlag, wertvolle Dienste. Auch Menschen, die sich noch nicht auskennen mit den „wilden Grünen“, finden anhand der seitlich dargestellten Blattform zu dem Kräutlein. Und neben einem Foto, Schemazeichnungen und Beschreibungen der Pflanzenteile zur exakten Bestimmung gibt´s auch Informationen zur Verwendung in der Küche, zu Inhaltsstoffen und Heilwirkungen.

Zu den Inhaltsstoffen der Vogelmiere (stellaria media) steht in genanntem Buch:  „Doppelt so viel Calcium, dreimal so viel Kalium und Magnesium und siebenmal so viel Eisen wie der Kopfsalat, zwei- bis achtmal so viel Vitamin A und C wie der Kopfsalat, Vitamine B1, B2 und B3, das Spurenelement Selen, Schleimstoffe, Saponine, Flavonoide (Rutin), Kieselsäure und Gammalinolensäure.“

Also: Lasst andere den Kopfsalat essen oder wertet euren hausgemachten Salat mit einem Wildkräutertopping auf!